Praxiswissen
Storytelling ist so alt wie die Menschheit
Von Patric P. Kutscher
KI-generiertStorytelling, Teil 2
Stellen wir uns einen Moment eine Welt ohne PowerPoint vor.
Das dürfte noch gelingen.
Jetzt nehmen wir auch LinkedIn, Fernsehen, Radio und Bücher weg.
Schließlich sogar die Schrift.
Was bleibt?
Der Mensch.
Und seine Stimme.
Wie gibt eine Gemeinschaft Wissen weiter, wenn niemand etwas aufschreiben kann?
Sie erzählt.
Wo gibt es Wasser?
Wo lauert Gefahr?
Was geschah bei der Jagd?
Wer hat sich bewährt?
Welche Entscheidung führte ins Unglück?
Was sollten die Kinder später einmal wissen?
Geschichten waren deshalb niemals nur Unterhaltung.
Sie waren Wissensspeicher, Warnsystem, Wertevermittlung und soziales Gedächtnis.
Geschichten speichern Erfahrungen
Der entscheidende Unterschied zwischen einer Information und einer Geschichte liegt in ihrem Zusammenhang.
„Dort ist es gefährlich.“
Das ist eine Information.
Wenn ich dagegen erzähle, was einem Menschen dort widerfahren ist, bekommt die Gefahr eine Gestalt.
Wir können sie uns vorstellen.
Wir erleben sie zumindest gedanklich.
Und genau deshalb können wir uns möglicherweise besser daran erinnern.
Menschen mussten über Jahrtausende Wissen weitergeben, ohne auf Datenbanken, Bücher oder Suchmaschinen zurückgreifen zu können.
Die Geschichte war dafür ein geradezu geniales Medium.
Geschichten transportieren mehr als Fakten
Eine gute Geschichte sagt nicht nur, was geschehen ist.
Sie vermittelt gleichzeitig, wie Menschen eine Situation bewerten.
Was gilt als mutig?
Was gilt als gefährlich?
Was ist gerecht?
Was ist Verrat?
Was bedeutet Zusammenhalt?
Was geschieht, wenn jemand eine Grenze überschreitet?
Mythen, Gleichnisse, Sagen, Legenden und später Märchen erzählen deshalb nicht einfach Ereignisse.
Sie transportieren Vorstellungen davon, wie Menschen miteinander und mit ihrer Welt umgehen.
Geschichten wurden damit zu einem kulturellen Gedächtnis.
Unser Gehirn kennt Geschichten schon sehr lange
Heute versuchen wir Kommunikation häufig zu optimieren.
Noch mehr Informationen.
Noch präzisere Charts.
Noch bessere Folien.
Noch mehr Daten.
Das alles kann notwendig sein.
Aber manchmal vergessen wir dabei, wie menschliche Kommunikation funktioniert.
Ein Beispiel kann mehr auslösen als eine Definition.
Eine konkrete Situation kann verständlicher sein als fünf abstrakte Argumente.
Ein Mensch, dessen Entscheidung wir verfolgen, kann uns stärker beschäftigen als eine Statistik über Tausende Menschen.
Denn sobald wir einer Geschichte folgen, hören wir nicht nur zu.
Wir beginnen innerlich zu sehen.
Wir stellen uns Räume vor.
Menschen.
Gesichter.
Situationen.
Vielleicht fragen wir uns sogar:
Was hätte ich getan?
Und damit geschieht etwas Entscheidendes.
Aus Information wird Beteiligung.
Deshalb funktionieren Geschichten noch heute
Unsere Kommunikationsmittel haben sich radikal verändert.
Der Mensch sehr viel weniger.
Wir sitzen vielleicht nicht mehr gemeinsam am Feuer.
Heute sitzen wir im Meeting, vor dem Smartphone, in einer Videokonferenz oder in einem Vortragssaal.
Aber noch immer geschieht etwas Besonderes, wenn jemand sagt:
„Dazu möchte ich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen.“
Die Aufmerksamkeit verändert sich.
Nicht wegen eines modernen Kommunikationstricks.
Sondern weil Geschichten zu den ältesten Formen gehören, mit denen Menschen Erfahrungen miteinander teilen.
Storytelling ist deshalb keine Mode.
Es ist ein uraltes menschliches Prinzip.
Doch daraus folgt ein gefährlicher Irrtum:
Dass jede Geschichte automatisch wirkt.
Das tut sie nicht.
Warum Storytelling trotzdem fast immer funktionieren kann, wenn eine entscheidende Voraussetzung erfüllt ist, darum geht es im dritten Teil.
Möchten Sie diese Techniken in der Praxis trainieren? Ein persönliches Coaching oder Seminar macht den Unterschied.