Praxiswissen

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Die Geschichte im Kopf: Warum Menschen nicht auf Fakten reagieren

Von Patric P. Kutscher

Denkschule Kommunikation, Teil 1

Warum Menschen nicht auf Fakten reagieren, sondern auf ihre Interpretation.

Wir glauben gern, Menschen würden Entscheidungen aufgrund von Fakten treffen.

Tun sie aber nur selten.

Sie treffen Entscheidungen aufgrund der Geschichte, die sie sich aus diesen Fakten erzählen.

Zwei Menschen, ein Gespräch, zwei Wirklichkeiten

Zwei Menschen erleben dasselbe Gespräch. Der eine fühlt sich respektiert. Der andere angegriffen.

Beide waren im selben Raum. Beide haben dieselben Worte gehört.

Und doch verlassen sie das Gespräch mit zwei völlig unterschiedlichen Wirklichkeiten.

Warum?

Weil Worte keine Bedeutung transportieren.

Sie lösen Bedeutung aus.

Die wichtigste Instanz der Kommunikation: die Interpretation

Zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was verstanden wird, liegt die wichtigste Instanz der Kommunikation: die Interpretation.

Dort entscheidet sich, ob eine Rückfrage als Interesse oder als Kontrolle empfunden wird.

Ob Schweigen als Nachdenklichkeit oder als Ablehnung verstanden wird.

Ob Kritik als Angriff oder als Unterstützung ankommt.

Deshalb scheitern Gespräche so selten an den Worten selbst.

Sie scheitern an der Geschichte, die der andere bereits im Kopf hat.

Diese Geschichte entsteht aus Erfahrungen, Erwartungen, Ängsten, Hoffnungen und dem, was ein Mensch in seinem bisherigen Leben gelernt hat.

Ein Mitarbeiter hört: „Kommen Sie bitte kurz in mein Büro.“

Für den einen ist das eine organisatorische Kleinigkeit.

Für den anderen beginnt innerlich bereits das Kopfkino.

Noch bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat, hat sein Gehirn längst eine Geschichte geschrieben.

Welche Geschichte erzählt sich mein Gegenüber gerade?

Wer Kommunikation verstehen möchte, muss deshalb lernen, nicht nur zuzuhören.

Er muss lernen, sich für die Geschichte zu interessieren, die der andere gerade erlebt.

Das verändert alles.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, bessere Argumente zu finden.

Sondern zuerst die Frage zu beantworten:

Welche Geschichte erzählt sich mein Gegenüber gerade?

Ich glaube, genau darin liegt einer der größten Irrtümer unserer Zeit.

Wir investieren unendlich viel Energie in bessere Formulierungen.

Dabei entscheiden häufig nicht unsere Worte über den Ausgang eines Gesprächs, sondern die Geschichte, auf die sie treffen.

Vielleicht besteht gute Kommunikation deshalb gar nicht darin, die richtigen Worte zu finden.

Vielleicht besteht sie darin, zuerst die Geschichte zu verstehen, in der diese Worte landen.

Möchten Sie diese Techniken in der Praxis trainieren? Ein persönliches Coaching oder Seminar macht den Unterschied.

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